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Im Wald der toten Bäume

Betrachtungen zum Wald in Zeiten von Klimawandel.

 

Zum Glück haben wir Corona. Zum Glück können wir weltweit alle an einer Katastrophe herumdoktern und müssen uns nicht weiter mit dem Thema Klimawandel und seine Folgen beschäftigen.

Wenn ich aber ob nun coronabedingt oder ohne durch den Wald gehe, egal wo, an einem beliebigen Ort in der Schweiz, sei es auf den luftigen Jurahöhen oder im Berneroberland, in weiten Teilen der Nordwestschweiz oder im bewaldeten Wallis, überall bietet sich mir das gleiche Bild: abgestorbene Bäume. Die Rinde hängt in Fetzen von ihren Stämmen herab, bedeckt den Boden um ihre noch stehenden Leichname. Gebrochene, abgerissene Äste, die wirr in alle Himmelsrichtungen weisen, gesplitterte Baumstämme, die vom Sturm heruntergerissen wurden, sind gängige und inzwischen unübersehbare Schäden, die ich in jedem Wald antreffe.
Schäden, die in unseren Breitengraden einerseits durch die seit einigen Jahrzehnten anhaltende tiefgreifende Veränderung des Wetters oder insgesamt des Klimas entstanden sind, durch die brutale Hitze und die Verknappung von Wasser und die andererseits mit der damit einhergehenden imensen Ausbreitung von Schädlingen verursacht werden.

Aber ebenso viele oder sogar mehr Schäden sehe ich, die durch die rohe, grobe und absolut unangepasste Holz-Raub-Kultur in unseren Wäldern begangen werden, die eine unnachahmliche Verwüstung hinterlassen. Eine Verwüstung, durch die gigantischen, brachialen Maschinen die eingesetzt werden und die im Ökosystem Wald irreparable Spuren hinterlässt, von denen er sich nie mehr erholen wird.

So häufig bin ich mit solchen Verwüstungen konfrontiert, die mich immer wieder fassungslos stehen bleiben lässt und bei mir grossen Schmerz hervorruft.

Es ist mir einfach unbegreiflich, dass heute der Wald immer noch, trotz der wissenschaftlichen Faktenlage, hauptsächlich als Holzlieferant angesehen wird. Das von all diesen Grossindustriellen der Holzwirtschaft auf einen gnadenlosen Profit und Gewinn am Wald ausgegangen wird.